eine CranioSacral info von Claudia Götz
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Traum – oder Trauma Geburt

CranioSacral Behandlung bei Geburtstraumata

Traum oder Trauma Geburt - CranioSacral Behandlung bei Geburtstraumata

Traum oder Trauma Geburt 

CranioSacral Arbeit mit Babys und
Geburtserfahrung von Erwachsenen  – ein Praxisbericht

Einzigartig, bewegend, emotional, berührend – so würden viele Eltern die Geburt ihres Kindes in wenigen Worten beschreiben. Liegt das neugeborene Kind in den Armen der Mutter, färbt sich die Welt der beiden rosarot oder himmelblau. Hormone sorgen dafür, dass sich Mutter und Kind augenblicklich ineinander verlieben.

Mit diesem gewissen Glanz in den Augen betreten die eingeladenen Eltern mit ihrem 3 Wochen bis 6 Monate jungen Babys und Kleinkindern den Raum, der für sie vorbereitet ist.

Die Teilnehmerinnen des Cranio-Kinder-Kurses erwarten ihre 6 Schützlinge, die sie die nächsten Tage begleiten werden, mit gemischten Gefühlen. Als ausgebildete CranioSacral-Therapeutinnen ist ihnen bewusst, dass die Arbeit mit Kindern ein besonderes Maß an Einfühlungsvermögen und Achtsamkeit braucht.

Als Assistenz der Ausbildungsleitung bedeutet es in den nächsten vier Tagen für mich, einen Raum aufzubauen, in dem sich die Teilnehmenden sicher und geborgen fühlen und sich ausprobieren können. Es heißt auch alle Beteiligten an den Behandlungsliegen aufmerksam beobachten: Wo es gut läuft, in Ruhe arbeiten lassen – Griffe und Vorgehensweisen erklären, wo Unterstützung gebraucht wird; werden Themen sehr intensiv, wird mitbehandelt, denn manche „Geburten“ brauchen mehr als 2 Hände; wenn eine Teilnehmerin an ihre eigenen Themen kommt, gilt es, sie zu umarmen, zu halten, zu stützen, zu stärken und wieder in ihren Ressourcen aufzubauen, bis es weitergehen kann. Es liegen also vier erfüllte Tage vor mir, die meine volle Aufmerksamkeit brauchen und in denen ich mein Wissen anbringen kann.

Lebensgeschichten

Kleine große Lebensgeschichten

Eines wird allen schnell deutlich: Der Einblick in die noch junge Geschichte der neuen Erdenbürger von der Geburt bis heute ist ein sich Verweben in die Geschichte

  • von Mutter, Vater und deren Beziehung,
  • der Vorgehensweise der Ärzte und Hebammen,
  • des Geburtsvorgangs,
  • der Lage des Kindes bei der Geburt,
  • der Dauer des gesamten Prozesses,
  • der Frage ob Spontangeburt oder Kaiserschnitt,
  • Verwendung von Saugglocke,
  • den Eingriffen bei der Mutter (Wunden/Narben im Intimbereich oder Bauchdecke),
  • wie gut das Bonding nach der Geburt stattfinden konnte,
  • ob das Stillen klappt,
  • der Darm gut funktioniert,
  • das Kind viel weint,
  • gut schläft,
  • Lieblingsseiten hat,
  • und und und…

Wir erhalten mit den Erzählungen der Eltern eine erste Ahnung davon, ob der Einstieg in diese Welt mehr traumhaft oder mehr traumatisch für Kind und Eltern war.

Basislager schaffen

Damit eine Behandlung gelingt, gibt es bestimmte Voraussetzungen in der Vorgehensweise:

Oberstes Gebot ist SPASS: Die Behandlung soll sowohl dem Behandler als auch dem Behandelten wirklich Spaß machen. Wird es einem mulmig, ist es ratsam, lieber den Film anzuhalten, zurück zu spulen und innezuhalten. Insgesamt ist sehr langsames Vorgehen sinnvoll, um ein Plateau zu schaffen, oder besser noch: Ein Basislager einzurichten.

Bei „Chaos“ Geburten geht es darum, sich nur sehr kleine Momente und Ausschnitte anzuschauen. Denn gerade beim Umgang mit Schock und Trauma gilt: Die Dosis macht‘s ob Gift ob Medizin!

ankommen

Ankommen

Kinder sind im ersten Lebensjahr damit beschäftigt, ganz auf dieser Welt – und vor allem in ihrem Körper – anzukommen. Die Füße sind ihre (und unsere) Wurzeln. Daher ist es als Cranio Behandelnde/r ein erster Schritt, die Füße im Leben zu begrüßen.

Kennen Eltern bestimmte Fersen-Reflexpunkte, können sie ihr Kind auch noch zuhause unterstützen, in den Körper zu finden. Es kann z.B. wahrgenommen werden, welche Seite sich besser im Körper niederlässt und welche sich schwerer tut.

Bei den Kleinen braucht es an äußerer Intervention oft erstaunlich wenig: schon während wir ganz kurz in Kontakt treten, ändert sich etwas.

 

Lebendige Knochen

Dazu ist ein kleiner Ausflug über unsere Knochenstruktur sehr wichtig, denn wenn wir Füßchen halten, haben wir Knochen in den Händen. Auch wenn es unglaublich für dich klingt: Ein Knochen ist etwas sehr Lebendiges.

Du kannst dir Knochen als eine schwammartige Struktur aus Gewebe und Fasern vorstellen, die elastisch wie ein Schwamm ist. Die eingelagerten Mineralien und Salze verleihen den Knochen ihre Festigkeit. Ein lebendiger Knochen ist also elastisch und geht auf wie ein Hefeteig, wenn wir ihn berühren. Er zeigt uns seine Struktur und Elastizität und geleitet uns dann wieder sanft zur Tür hinaus, wenn er lebendig und agil ist.

Ist der Knochen in einem starren, festen und harten Zustand, kann der Lebensatem nicht richtig durchfließen. Dann gilt es, den Lebensatem einzuladen, die Knochenstruktur wieder zu durchströmen.

In der embryologischen Geschichte entstehen Knochen aus dem mittleren Keimblatt – arbeiten wir mit Knochen, lenken wir das Gewahrsein also automatisch auf unseren inneren Kern. Diesen inneren Kern begrüßen wir über die Fersen-Reflexpunkte.

Dazu ein Hinweis für Erwachsene: wer sich Knochen bricht, hat oft eine Leere im inneren Kern!

Sprache der Kinder ohne Worte

Die Sprache der Kinder ohne Worte

Wir glauben, Kinder können uns noch nicht sagen, was gut ist für sie und was nicht. Doch sie sprechen eine eindeutige Sprache, die es zu lesen gilt:

  • Legt man eine Hand sanft an das Köpfchen und das Kind will das nicht, so ist es ein erstes Zeichen, dass bei der Geburt etwas am Schädel problematisch war.
  • Bei 3 Versuchen an einer Stelle ist das Gebot aufzuhören, dann es ist nicht der richtige Zeitpunkt. Das sollte man ernstnehmen.
  • Dreht sich das Kind bei Berührung weg, ist dies ebenfalls ein Zeichen, aufhören.
  • Wenn das Kind sogar die Hand wegnimmt, heißt es ganz eindeutig: „wegbleiben“.

Wird das Kind aber ruhig, oder schmiegt sich in die Hand, dann darf gearbeitet werden. Das sind die kostbaren Momente.

 

Berührt sein ohne Berührung

Sind keinerlei Berührungen möglich, ist es hilfreich, im Fühlen der long tide  (siehe Blogbeitrag die Rhythmen des Körpers) ausgebildet zu sein. Es ist unser Seelenatem – ein sehr langsamer und sich weit über unseren physischen Körper ausdehnender Rhythmus.

Er hat den Vorteil, dass wir darüber ganz eng miteinander verbunden sind, auch wenn wir uns nicht berühren. In ihm findet die eigentliche Heilungsarbeit statt, besser gesagt, wenn er frei fließt, gelingt es dem Körper viel leichter, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren.

Mutter und Kind

Mutter und Kind – eine Symbiose

Sind Kinder zum ersten Mal in Behandlung, ist es ein Segen, wenn sich zuerst die Mutter auf ein kurzes Einlauschen in den Körper einlässt. Es tut einerseits der Mutter gut, weil sie spürt, was bei der CranioSacral-Behandlung passiert und andererseits wird das Kind ruhig, weil es mitbekommt, dass Mama ruhiger wird.

Jeder Moment, in dem wir die Mutter integrieren können, hilft dem Kind. Auch wenn die Nabelschnur physisch längst durchtrennt ist, es besteht eine energetisch sehr starke Verbindung.

Redet die Mutter z.B. über die Geburt, sollte man das Kind gut im Auge behalten. Es kann schnell passieren, dass dem Kind zu viel wird, womit sich die Mutter gerade beschäftigt! Da wir als Behandler der „Anwalt“ des Kindes sind, achten wir darauf, dass es ihm nicht zu viel wird.

 

Veränderungen sehen

Die Zeitspanne, um mit Kindern zu arbeiten, ist oft sehr kurz. Und dennoch passiert in den 30-40 Minuten Behandlungszeit sehr viel. Das wird vor allem dann sichtbar, wenn man die Kinder über die 4 Tage hinweg beobachtet.

So kann es passieren, dass sie eine neue Lieblingsseite entdecken, eine Überstreckung weniger wird, das Einschlafen besser klappt, der Stuhlgang sich verändert, Blähungen weniger werden, kleine Beulen (z.B. von Saugglocken) verschwinden, sie insgesamt ruhiger werden, die Bindung zur Mutter/zum Vater enger wird, Narben besser heilen, sie besser im Körper ankommen und sich auf der Erde mehr zuhause fühlen…..

Traumgeburt

Es ist nie zu spät für deine Traum-Geburt

Spannend wird es, wenn sich die TeilnehmerInnen des Kurses auf ihren eigenen Geburtsprozess einlassen, ihn noch einmal zu erleben. Auch wenn wir schon 30, 40, 50, 60 Jahre auf dieser Welt sind, der Körper hat alle Informationen gespeichert.

Ein bisschen wirkt es wie großes Kino, wenn sich der Körper bei der Behandlung wie von selbst in Positionen verdreht, die eindeutig an den Weg im Geburtskanal erinnern.

Ich selbst kam mit den Füßen zuerst zur Welt – und durfte bereits bei meiner ersten therapeutischen Ausbildung vor 15 Jahren erleben, wie ich mich rückwärts ans Licht der Welt bewegt habe. War die Geburt traumatisch (bei mir war sie das – ich hatte die Nabenschnur 2fach um den Hals gewickelt und meine Mutter verlor während der langen Geburt das Bewusstsein) ist es ratsam, langsam, sehr langsam vorzugehen.

Ich selbst hatte bestimmt 5-6 Behandlungen zur Geburt, wobei sich immer nur Ausschnitte zeigten. Die letzte war sehr friedlich, so wie man sich den Weg in die Außenwelt wünscht.

Auch im Kinder-CranioSacral-Kurs verliefen die  „12 Geburten“ auf Long-tide Ebene zwar emotional, doch sehr friedvoll, stimmig und erkenntnisreich. Eine kleine Zusammenfassung der Eindrücke findest du im folgenden Abschnitt:

 

CranioSacrale Lebenserkenntnisse

Wir (er)leben auf vielen Ebenen des Seins, doch im Alltag haben wir die meisten Ebenen ausgeblendet.

Vielleicht sind manche beengenden, angstmachenden, traumatischen Gefühle im Leben Gefühle, die aus der Geburt mitgebracht wurden. Wenn das bewusst wird, kann man/frau anders damit umgehen und sie ins Leben integrieren. Die einstige Bedrohung verliert dann ihre Macht.

Es gibt immer einen Weg und es braucht nicht die eine große Lösung.
Denn der Weg besteht aus vielen kleinen Lösungen. Nächsten Schritten. Dem nächsten Schritt.
Das ist alles. Das beruhigt. Und schenkt Frieden. Inneren Frieden.

Leben besteht nicht nur aus tun. Manchmal ist es das größte Geschenk, wenn wir gar nichts tun, sondern nur zu 100% unseren eigenen Raum halten, damit ein anderer vollständig seinen Raum ausfüllen kann. Geschieht das zum ersten Mal, ist es wie den eigenen Tempel betreten.

Dann wird aus dem Trauma Geburt eine Traum-Geburt.

Zum Schluss…

In mir klangen am Ende der 4 Tage folgende Gedanken im Ohr, die ich gerne mit dir teilen möchte:

Der Eintritt in unser Leben ist etwas Heiliges. Leben ist heilig.
Jede Geschichte und jedes Lebewesen ist einzigartig. Du bist einzigartig.

erster Advent

Dankeschön

Danke an Sonja Wode für diesen wertvollen Kurs und dass ich ihn als Assistenz betreuen durfte.
Danke an alle Eltern mit ihren Kindern für ihre beeindruckenden Geschichten.
Danke an die TeilnehmerInnen für ihr Vertrauen in uns.

 

Und deine Erinnerungen….?

Ganz zum Schluss würde mich noch interessieren: Was weißt du über deine Geburt? Was hat dir deine Mutter/deine Eltern/nahe Verwandte darüber erzählt.
Und wenn du selbst Kinder hast: wie hast du die Geburt(en) erlebt?
Ich freue mich auf deinen Kommentar,

Von Herzen,

Claudia

2 Kommentare

  1. Andrea sagt:

    So so schön und warm geschrieben. Das würde ich so gern zu dir in eine Behandlung kommen. Danke für deine Arbeit, die du machst.

    • Claudia sagt:

      Von Herzen gern. Es ist so heilsam, wenn sich Dinge lösen dürfen, die uns von Geburt an „beschweren“. Und es ist mir eine Freude und Ehre, solche Prozesse begleiten zu dürfen.

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